Zyprexa zur „spirituellen“ Entwicklung

Viele Jahre hatte ich das Privileg oder vielleicht auch das Unglück,  „Devotee“ oder Jünger von Frau Bornschein zu sein. Frau Bornschein ist Ärztin und gab mir das Versprechen, von Karma vollkommen frei zu werden, wenn ich ihre Ratschläge und Anweisungen verfolge. Es war mein Fehler und meine Unwissenheit, die mich in das Schicksal von Frau Bornschein brachten. Leider habe ich viele Jahre nicht bemerkt, wie sie ihre Autorität als Ärztin und als spirituelle Autorität vorgab. Mir gegenüber arbeitete sie immer mit Lob. Ich war einer der besten und treuesten Schüler von ihr. Auch meine Frau erntete viel Lob. Betrügerische Absichten hätte ich bei der doch schon älter gewordenen Dame nicht vermutet. Sie ist aber, wie ich zu meinem Entsetzen feststellen musste, wohl eine der genialsten Betrügerinnen, die ich kennengelernt habe. Sie hatte mich nicht mit Geld betrogen sondern mit ihrer Überzeugungskraft, ganz in ihre Dienste zu treten und sie als alleinige wissende Autorität anzunehmen. Durch ihre scheinbar weisen Beratungen hörte ich das Arbeiten auf, kam in soziale Nöte und musste infolge dessen noch ihre Hilfe annehmen.

Als ich einmal in Beziehungskonflikt mit meiner Frau stand und bereits ärztliche Hilfe suchte, gab sie mir über 3 Monate hinweg ein Neuroleptikum, das Zyprexa heißt. Ich war aber nicht krank und hatte sie lediglich für Beratung in Beziehungsfragen aufgesucht. Durch das Medikament war ich wie eingehüllt und entfernte mich weiter aus dem sozialen Leben. Sie meinte, dass mit diesem Medikament meine spirituelle Meditationskraft steigen würde. Obwohl ich nicht ganz von den Worten, die sie sehr eindringlich zu mir sprach, überzeugt war, glaubte ich ihr. Das Schema, der spirituellen Autorität vollkommene Hingabe zu schenken, hatte mich bereits ergriffen. Nachdem ich erfahren habe, dass dieses Medikament nur bei schwerer Schizophrenie eingenommen wird, wurde mir so ganz langsam bewusst, wie ich einer scheinbar offensichtlich betrügerischen Absicht unterlegen war. Die Aufklärungshilfen, die ich von einem Bekannten in einem persönlichen Gespräch vor einem guten halben Jahr bekam, öffneten mir erst die Augen. Damals aber erwähnte Frao Bornschein mir gegenüber, dass das Medikament harmlos sei und jeder von ihren Patienten es nehmen würde. Sie sagte, es schirmt von Belastungseinflüssen ab und öffnet das Bewusstsein für das Transzendentale.

Mittlerweile habe ich erfahren, dass ich scheinbar kein Einzelfall bin. Eine Freundin erzählte mir, wie Frau Bornschein Zyprexa direkt in einer Gruppe verteilte, damit die Personen sich für das Transzendente öffnen und gegen Negatives abschirmen könnten. Ich halte diese Art Meditation für gefährlich, denn durch diese bin ich nicht wirklich offener geworden, sondern verlor den Bezug zu meinen Freunden und zum allgemeinen Leben. Obwohl ich diesen Beziehungsverlust bemerkte, sprach Frau Bornschein überzeugenderweise zu mir, dass diese Schritte für Spiritualität und Freiheit notwendig wären.

Wenn mich heute jemand fragt, warum ich mich nicht gegen Frau Bornschein gewehrt habe, so kann ich ihm leider keine Antwort geben. Heute schäme ich mich dafür, dass ich in dieses Abhängigkeitsverhältnis eintreten konnte. Ich bin der Meinung, dass Menschen eine spirituelle Aufklärung brauchen, damit sie nicht, wie ich, in Fangschlingen geraten. Diese Aufklärung würde ich gerne gegenüber Betroffenen unterstützen.

 

 

 

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