Das Ende einer Zwangsdiktatur

Hundert Personen atmen erleichtert auf mit der Nachricht, dass die sich als Gott ausgebende Dr. Christine Bornschein von München verstorben ist. Patienten und Schüler hielt sie mit diktatorischer Bestimmung, mit ewigem Schwur und Ritualen in schwerer Abhängigkeit. Weitaus größer ist aber die Dunkelziffer der unter ihr stehenden Schüler, Patienten und Dienstleistenden – es dürften weit über hundert sein.

Erleichtert berichtet Simone L., dass nun endlich ein Ende der Drohanrufe, Nötigungen, Einschüchterungen und Gewissenstraktionen eingetreten ist. Als langjährige Patientin, Vertraute und Verbündete hatte sie es gewagt, sich von der forschen, dynamischen Ärztin abzuwenden, ja sogar gegen sie das Wort zu erheben. Ab jenem Moment aber, ab dem sie sich gegen Frau Bornschein ausgesprochen hatte und keine weiteren kriminellen Handlungen sowie Kultveranstaltungen, bei denen es um Verschwörung gegenüber Dritten ging, mitmachen wollte, wurde sie verfolgt und bedroht.

Noch schwerere Vorwürfe bringt Angelika L. auf den Tisch. Sie berichtete von bezahlter Kriminalität, die sie für die Ärztin ausführen sollte. In dem von Frau Bornschein geleiteten Gebetskreis, wurde mit Patientenakten eine Art Kult betrieben. Mit Ritualen sollten die Patienten durch die Gebete und Beschwörungen des Kultkreises negativ beeinflusst werden. Die Patientenakte, so betonte Frau Bornschein immer wieder, sei wie das Blut des Menschen. Wer sie hat, kenne die Schwachstellen der Patienten und könne diesen damit für immer gefügig machen. Angelika L. wagte nicht, sich von der Ärztin loszusagen, obwohl sie schon lange nicht mehr diesen Kult teilen wollte. Wörtlich sagte sie, sie wäre getötet worden, wenn sie zu Lebzeiten ernsthaft gegen sie ausgesagt hätte.

Frau Bornschein war Millionärin und verfügte über viele Mittel. Wohl keinem Patienten, der einmal in ihrem Praxiszimmer gesessen ist, wurde von ihr ab diesem Zeitpunkt noch eine freie Willensentscheidung zugestanden. So schreibt sie an eine Patientin: „Wer bin ich? Wem dienst Du?“  Frau Bornschein bezeichnete sich selbst allen Ernstes und voller Überzeugung als „Allmächtig“, sie sei die „göttliche Mutter“ und im Besitz höchster Charismen. Mehrere Personen berichten, dass sie Handlanger für Brandstiftung beauftragte und damit eine Gruppe von spirituell Suchenden in extreme Justizgefährdung brachte. Auch Mordaufträge gegenüber Personen, die ihr kritisch gegenüberstanden, fehlen nach ihren eigenen Aussagen und nach Aussagen ihrer engesten Mitarbeiter und  Vertrauten nicht. Sie selbst wollte nach Angabe von Susanne M. die Weltherrschaft gewinnen über die Mittel des Kultkreises mithilfe von magischen Ritualen, aber auch mithilfe von Bestechungen von Amtspersonen und Abhörungsaktionen. Sie berief sich auf die Nachfolge von Sai Baba, der ihr diesen Auftrag gegeben habe. In den Sai-Baba–Kreisen wiederum gab sie sich als das Opfer von Verfolgung durch eine Sekte aus, denn sie wusste, dass dieser Kreis ihr sonst widersprochen hätte.

Ein häufiges Mittel, das Frau Bornschein einsetzte, war der Schwur, so C. B.: „Sie schrie mich an ‚Schwöre mir bei meinem Leben!’ und plötzlich mit völlig leiser, fast unhörbarer Stimme ‚dass Du mich immer lieben wirst.’“ C. B. sagt: „Frau Bornschein besitzt hypnotische Fähigkeiten. Nie hätte ich gewagt, ihr zu widersprechen, denn intuitiv spürte ich, dass aus ihren Augen eine manipulierende Kraft sprach, die nichts anderes besagt, als ‚Du gehörst mir’.“

Fast immer waren Frauen ihre treuesten Verbündeten. Eine Eva-Marie K. berichtet: „Mindestens 30 Mal habe ich mich von Christine Bornschein innerlich distanziert. Und ich war mir bereits sicher, von ihr frei zu sein. Als ich ihr aber wieder begegnete mit ihrer süßlichen suggestiven Stimme, ganz erbärmlich in Opferhaltung gekleidet, brach ich vor ihr zusammen und konnte meinen Entschluss nicht mehr aufrecht erhalten. Ich wäre nie von ihr losgekommen, wenn sie nicht verstorben wäre. Sie verstand die Macht der Suggestion.“

Frau Bornschein war kriminell: zwei Personen berichten von Ermordungsversuch durch Giftmischerei, zwei weitere von Mordaufträgen. Kassenbetrug war der Normalfall. Meineid lag in verschiedenen Anzeigen vor, von Steuerhinterziehungen wird weitreichend gesprochen, wie beispielsweise ein Hafenplatz, der in Südfrankreich illegal gehandelt wurde. Einigen Personen wurden gegen ihren Willen heimlich Medikamente verabreicht. Sexuelle Übergriffe fehlen nach Angaben von Schülern ebenfalls nicht. Die höchste Ekstase der Spiritualität, so lehrte Frau Bornschein, findet man in der Sexualität.

Ihre eigene Propagandaseite im Internet veröffentlichte sie anonym, da sie als Ärztin keine Werbung machen darf und verleumdete aber andere, dass sie die Seite illegal erstellt hätten.

Viele Patienten und Schüler wollten sich von dieser Frau lossagen und wagten jedoch nicht, ihr gegenüber eine ehrliche Stellung zu beziehen. Die Gebetskreise waren furchterregend. Sie begannen bereits 1988. Jeweils zu Beginn gab Frau Bornschein darshan, wie sie es nannte, das heißt, sie zeigte sich als göttliche Person vor ihren Patienten und Schülern. Dann wurde der Gebetskreis eröffnet und beispielsweise für Franz Joseph Strauß der Tod herbeigebetet. Innerhalb einer Woche kam es tatsächlich zu dem tödlichen Ereignis. Die Personen, die daran teilgenommen hatten, waren über die Wirksamkeit erschüttert, während Frau Bornschein die Gebetsteilnehmer nur demütigte, indem sie sagte: „Wenn ihr nicht weitermacht und die Dinge gutheißt, so werdet ihr selbst sterben müssen.“ Vergiftungsversuche gegenüber unliebsamen Personen waren bei Frau Bornschein ebenfalls vorhanden.

Nach Aussagen von Florian K. brachte sie zwei Personen fast ums Leben und nur das Eingreifen von Freunden und die anschließende klinische Reanimation konnte dies verhindern. Frau Bornschein hatte in der Justiz Narrenfreiheit. Nachdem jemand sich gegen sie aussprach, oder ihre zahlreichen Kassenbetrügereien als Ärztin anzeigte, wurde er von Sektenreferenten zusammen mit ihr als Ärztin verfolgt. Jeder Aussteiger aus dem System Bornschein wurde der Sekte bezichtigt und zusammen mit einer Gruppe, dem Gebetskreis und nach allen vorliegenden Informationen sogar mithilfe eines Kripobeamten und eines Sektenreferenten abgehört. Nach Aussagen von Simone S. wurden Detektive gegen diese Personen, das heißt gegen Patienten, beauftragt und das Privatleben des Einzelnen hatte keine ruhige Minute mehr. Sekte war das wirksamste Mittel, das sie als Diskriminierungswort und Beschimpfung gegenüber den Aussteigern aus ihrem eigenen Kultkreis einsetzte.

Viele Personen atmen auf und wagen erst langsam, über die schrecklichen Erlebnisse zu sprechen. Neben heftigen sexuellen Animationen von Seiten der nicht ganz jungen Ärztin waren vor allem Hypnose, Kult, Medikamentenmissbrauch und Propaganda die Mittel, den Einzelnen zu schädigen und ihn des gesunden Gesellschaftsstatus zu berauben.

Christine Bornschein hatte wohl eine der dunkelsten Seiten einer esoterischen Scheinwelt in der heutigen Zeit eröffnet. Ihr Mann Willi Bornschein unterstützte die magischen Kultkreise und ein Rechtsanwalt Bauer, gleichfalls durch Schwur und Bruderschaft verbunden, verfolgte nach vorliegenden Aussagen ebenfalls die Patienten. Die Aufklärungen über die Schäden sind noch lange nicht abgeschlossen. Schwere Traumen blieben zurück.

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